Rothirsch - (Cervus elaphus)

Der majestätische im Untertaunus

Von Uwe Müller, NABU Gruppe Untertaunus

Rothirsch während der Brunft - Foto Uwe Müller (NABU Untertaunus)
Rothirsch während der Brunft - Foto Uwe Müller (NABU Untertaunus)

Sieht man einen Hirsch, dann werden die meisten wohl beeindruckt von der Anmut und Kraft sein, die ein solches Tier ausstrahlt.

Wer während der Brunft unterwegs ist, der wird von dem kräftigen Röhren des Hirsches gebannt sein, zumindest geht es mir so. Wenn dann auch noch die Geweihe aufeinander knallen, dann erhöht sich auch schon mal der eigene Puls. Er wird nicht umsonst auch Edelhirsch genannt!

 

Rothirsch (Cervus elaphus)

Systematik

 Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)

Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)

Überfamilie: Stirnwaffenträger (Pecora)

Familie: Hirsche (Cervidae)

Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)

Gattung: Cervus

Art: Rothirsch (Cervus elaphus)

Unterarten:

  • Europäischer Rothirsch (Cervus elaphus elaphus)
  • Berberhirsch (Cervus elaphus barbarus)
  • Korsischer Rothirsch (auch Sardischer/Tyrrhenischer Rothirsch) (Cervus elaphus corsicanus)

Es soll noch eineUnterart des Rothirsches in Italien geben - Cervus elaphus italicus

 

Steckbrief

Männlicher Rothirsch – Hirsch, auch Stier

                                                Einjähriger Hirsch ohne verästeltes Geweih – Spießer

                                                Hirsch mit der ersten Verästelung – Gabler

                                                Danach ändert sich die Bezeichnung nach Geweihstärke

                                                     - Sechser

                                                     - AchterZehner

                                                     - Zwölfer

                                               usw.

Weiblicher Rothirsch – Hirschkuh, auch Kahlwild in der Jagdsprache

                                               Hirschkuh nach dem ersten Kalb – Alttier

                                               Hirschkuh mit Kalb aus dem selben Jahr – Führendes Alttier

                                               Hirschkuh im 2. Jahr, welche bisher kein Kalb geboren hatte – Schmaltier

Rothirsch Jungtier/Neugeborenes – Hirschkalb

 

Körperlänge:

     - Hirsch: 180 bis 210 cm

     - Hirschkuh:

 

Schulterhöhe:

     - Hirsch: 120 bis 150 cm

     - Hirschkuh: 100 bis 120 cm

 

Gewicht:

     - Hirsch: 150 bis 200 kg

     - Hirschkuh: 90 bis 130 kg

 

Fellfärbung:

     - Sommerfell: rotbraun, eher glattes Haarkleid

     - Winterfell: graugelb bis graubraun, eher struppiges Haarkleid und wesentlich längere Haare (bis doppelt

        so lang).

     - Hirschkälber haben das bekannte rotbraune Haarkleid mit den weißen Flecken (Bambi), die sich mit der Zeit

        (im Sommer) nach und nach verlieren.

     - Häufig zieht sich ein dunkler Strich (Rückgratstrich, Aalstrich/-streif) vom Nacken über den gesamten Rücken.

     - Der Spiegel – Der helle Fleck am Hinterteil des Hirsches geht vom gelblich weißen bis zu grauweiß und hat eine

        dunkle Umrandung.

 Wie immer in der Natur variiert die Färbung. Besonders bei älteren Tieren gehen die Flanken in gräuliche. In unseren Breitengraden wächst dem Hirsch währendder Brunft eine Mähne am Hals. Gut auf dem Titelbild zu sehen.

 

Sinne: Alle Sinne (Gehörsinn, Sehsinn, Geruchssinn) sehr gut entwickelt

 

Duftdrüsen:

     - Voraugendrüsen – direkt vor den Augen

     - Metatarsalorgan – an den Hinterläufen, direkt am Sprunggelenk, außen

     - Wedeldrüse – Bei der Schwanzwurzel

 

Nahrung: Pflanzenfresser – Intermediärtyp – Gräser, Früchte, Kräuter, Knospen, Baumrinde, Moos, Flechten

 

Abwurf des Geweihs: Februar bis April (je nach Region unterschiedlich)

 

Fegezeit: Ende Juli bis in den August (je nach Region unterschiedlich)

 

Brunft: Anfang September bis Anfang Oktober (je nach Region unterschiedlich)

 

Tragezeit: ca. 8 Monate

 

Setzzeit: Mitte Mai bis Anfang Juni (je nach Region unterschiedlich)

 

Säugezeit: 6-10 Monate

 

Fressfeinde (Europa):

     - Bär

     - Wolf

     - Luchs

     - Fuchs

     - Wildkatze

     - Uhu

     - Steinadler

     - Mensch

 

Ausführung

Der Rothirsch ist wohl die größte Hirschart in unserer Region, in Deutschland. Wie im Eingangstext schon umschrieben, ist er sehr beeindruckend, im Besonderen der männliche Rothirsch mit seinem Geweih und Statue. Anzutreffen ist er heutzutage im Wald und läßt sich hin und wieder mal auf Freiflächen sehen. Das war nicht immer so!

Wie die meisten Hirscharten war der Rothirsch ursprünglich ein Steppentier, weite Graslandschaften war das zu Hause vor sehr langer Zeit. Aufgrund intensiver Störungen durch den Menschen (Jagd, Landwirtschat, Freizeitaktivitäten), zog sich die Rothirsche in die Wälder zurück. Zumindest was das Flachland und die Mittelgebirgslage betrifft. In den Alpen, auf großen Höhen (2000-3000m) soll es anders aussehen. Dort sind die Tiere auch Tagsüber im Freiland anzutreffen. Jedoch nur dort, wo häufige Störungen durch den Menschen ausbleiben.

 

In unserer Regionsind die Rothirsche auch schon mal tagsüber auf Freiflächen zu sehen. Was mit der Weitläufigkeit bzw. der Unzerschnittenheit des Hinterlandwaldes zusammen hängt.

 

Meist jedoch findet man nur die Spuren im Boden (Trittsiegel) an Sträucher und Bäumen (Fraß- und Schälspuren) oder die Hinterlassenschaften(Losung/Kot).

 

Im Gegensatz zum Reh (Konzentratselektierer) kann der Rothirsch auch schwerverdauliche Pflanzennahrung aufnehmen. Die Menge an Pflanzennahrung, die ein Rothirsch täglich aufnimmt, schwanket sehr stark und ist abhängig von der Jahreszeit und der Qualität der Nahrung. Man gehtvon 8-20kg pro Tag aus.

 

Seinem großen Pansen verdankt der Rothirsch die Möglichkeit schwer verdauliche Pflanzennahrung aufzunehmen. Wie alleHirscharten ist der Rothirsch ein Wiederkäuer mit entsprechendem Magenaufbau bzw. entsprechender Verdauung.

 

Grob umschrieben funktioniert die Verdauung folgendermaßen:

  1. Nahrungsaufnahme – Die Pflanzennahrung wird über das Maul (Äser bei Hirscharten in der Jagdsprache) aufgenommen
  2. Pansen – Die Nahrung gelangt in den Pansen, wo ein Gärprozess stattfindet - Fermentierung
  3. Netzmagen – In kleinen Mengen wird vom Pansen die Nahrung in den Netzmagen transportiert und wird dort vorverdaut
  4. Wiederkauen – Vom Netzmagen gelangt die vorverdaute Pflanzennahrung wieder in das Maul (Äser) und wird erneut zerkleinert (wieder gekaut)
  5. Blättermagen – Der Brei des wiedergekauten Pflanzenmaterials wird geschluckt und gelangt in den Blättermagen, wo die Flüssigkeit aus dem Pflanzenbrei gepresst wird. Die Bezeichnung Blättermagen entstammt der Psalterblättern des Magenteils. Psalterblättern sind Schleimhautfalten, die wie die Blätter eines Buches wirken und haben kurze, verhornte Ausstülpungen
  6. Labmagen – Vom Blättermagen gelangt die eingedickte Nahrung in den Labmagen (Drüsenmagen). Hier wird die Pflanzennahrung gänzlich durch Drüsensekrete verdaut.
  7. Darm

     - Dünndarm – Im Dünndarm werden die Nährstoffe den entsprechenden Organen zugeführt

     - Dickdarm – Im Dickdarm werden die restlichen Bestandteile eingedickt und in den Mastdarm

                                weiter transportiert. Von dort werden die eingedickten Bestandteile (Kot) ausgeschieden

 

Der Rothirsch holt sich die Nahrung auf unterschiedlichste Weiße. Mal gräbt er mit den Vorderläufen im Boden, dann beißt er die Knospen ab, schält mit den Vorderzähnen die Rinde, beugt sich nach unten und reckt sich in die Höhe und steht auch schon mal auf den Hinterläufen.

 

Man könnte fast sagen, dass er so alles pflanzliche in seiner Umgebung frisst. Hier einAusschnitt des Nahrungsspektrums:

     - Eicheln

     - Bucheckern

     - Kastanien

     - Gräser

     - Mais

     - Hafer

     - Kartoffeln

     - Rüben

     - Baumnadeln

     - Obst

     - Beeren

     - bestimmte Pilze

     - Baumrinde

     - Moose (nur bestimmte)

     - Flechten

     - Kräuter

     - Knospen

     - Triebe

     - Blätter

     - junge Zweige von Bäumen

     - jungeZweige von Sträuchern

 

Er meidet:

     - Fingerhut (rot)

     - Schwarze Königskerze

     - Wilde Karde

     - Acker-Kratzdistel

     - Einige Moose

 

Wie das Reh bzw. andere Hirscharten hat auch der Rothirsch mehrere Äsungsphasen über den Tag. Von der morgendlichen Dämmerung bis spät in die Nacht.

 

Der Rothirsch lebt in Rudeln nach Geschlechter getrennt. Kahlwildrudel bestehen aus Hirschkühe und Jungtieren bzw. Kälber und sind grösser als die Hirschrudel. Kahlwildrudel sind auch stabiler als Hirschrudel und haben eine hohe verwandtschaftliche Zusammensetzung.

Kahlwildrudel haben in der Regel ein Leittier. Es ist eine Rolle, die einem Tier zu eigen, durch sein Verhalten, wird. Ein besonders aufmerksames Tier, was auf einen größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen kann und entsprechend misstrauisch ist. Daher fällt in der Regel einem Alttier, welches ein Kalb führt, diese Rolle zu. Die anderen Tiere folgen diesem „Leittier“ einfach.

 

Hirschrudel bestehen eher aus kleineren Gesellschaften, zumindest in unserer Region. Ältere Hirsche leben auch schon mal als Einzelgänger. Mancher Einzelgänger wird von einem, manchmal auch von zwei jüngeren Hirschen begleitet. Der sogenannte Begleithirsch. Innerhalb des Hirschrudels bildet sich eine Rangordnung, so dass jeder Hirsch weiß, wo sein Platz im Rudel ist. Interessanter weiße gibt es jedoch keinen direkten Rudelführer, vergleichbar mit dem Leittier im Kahlwildrudel. Nur die Sozialstruktur der Rangordnung. Diese Rangordnung ändert sich mit dem Abwurf des Geweihes, was bei älteren Hirschen früher einsetzt als bei Jüngeren. Vor der Brunft wandern die fortpflanzungsfähigen Männchen ab und suchen die Kahlwildrudel.

 

Ein Hirsch, männlicher Rothirsch ist mit 5 Jahren Reproduktionsfähig.

 

Der Brunftzeitraum liegt in unserer Region (normalerweise) Ende August bis Ende September. In anderen Regionen beginnt die Brunft erst Ende September/Anfang Oktober. Zum Beispiel im Hochland der Alpen. Der Hirsch wandert zu einem bevorzugten, über die Jahre immer wieder genutzten Brunftplatz, häufig sogar viele Kilometer. Die Rudel haben ihre eigenen Brunftplätze, wo der Platzhirsch das sagen hat. Anders als bei Damhirschen, die sich auf einem Hauptbrunftplatz zusammen ziehen und ein paare Nebenbrunftplätze haben.

Das Röhren der Hirsche ist weit zu hören. Das knallen der Geweihe, wenn zwei ebenbürtige Gegner aufeinander prallen, ist ebenfalls zu hören. Schwächere Gegner werden in der Regel durch Drohgebärden verscheucht. Der Hirsch verliert stark an Körpergewicht während der Brunft (20%-25%), da er kaum oder gar nicht frisst in dieser Zeit.

Mit Urin und Drüsensekret wird der Brunftplatz markiert. Aus den Voraugendrüsen tritt ein bräunliches Sekret aus, welches durch Reiben an Sträucher und Bäume verbracht wird. Auch die Wedeldrüse kommt besonders in der Brunftzeit zum Einsatz. Der Hirsch verteilt das Sekret in seinem Fell. Mit der Drüse am Sprunggelenk wird eine Duftspur hinterlassen. Während des Brunftzeitraumes verstärkt sich die Mähne am Hals des Hirsches und wird zum auffälligen Signal.

 

Nach einer Tragzeit von ca. 8 Monaten kommt in der Regel ein Kalb zur Welt. Die Setzzeit liegt zwischen Mitte Mai und Anfang Juni. In dieser Zeit bzw. kurz zuvor werdendie Jungtiere aus dem Vorjahr vertrieben. Das Gewicht eines neugeborenen Kalbs liegt zwischen 6kg und 8kg, in Einzelfällen auch mehr. Es wird mit dem typischen rötlich braunen Fell mit weißen Flecken geboren, was zur Tarnungdient. Das Kalb versucht nach kurzer Zeit zu stehen und nach ein paar Stunden können sie laufen.

 

Ist das Kalb gestillt und die Mutter geht zum Äsen, legt sich das Kalb flach auf dem Boden, bisweilen rollt es sich zusammen. Die Mutter versucht sich immer mit dem Wind vom Kalb zu entfernen, so soll die Witterung zu ihrem Kalb aufrechterhalten bleiben. Ferner funktionieren die Voraugendrüsen schon von Geburt an und in den ersten Tagen nimmt das Muttertier die Geruchssignatur des kleinen auf.

 

Ist das Kalb in der Lage dem Muttertier ohne Schwierigkeiten zu folgen, schließt sich die Hirschkuh mit Ihrem Kalb wieder einem Rudel (Kahlwildrudel) an.

 

Schon im ersten Lebensjahr beginnt beim männlichen Hirschkalb der Wuchs des Geweihs. Wie beim Reh bzw. anderen Hirscharten ist der Fortsatz nicht wirklich als Geweih zuerkennen. Es sind viel mehr kleine Erhebungen/Höcker unter dem Fell auf dem Stirnbein – die Rosenstöcke. Diese Wuchs beginnt im Winter und Ende des ersten Lebensjahres wachsen die ersten Stangen. Auch hier wieder wie bei anderen Hirscharten nur gerade Stangen ohne Verzweigung. Die sogenannten Spießer. Jenach Ernährung mal mehr mal weniger Groß bzw. lang. Im zweitenLebensjahr sollte schon ein richtiges Geweih wachsen, zumindest eine Gabel. Dies ist jedoch stark abhängig von der Ernährung und anderen Einflüssen. Ist der junge Hirsch in keiner guten Kondition, kann es sein, dass er auch im zweiten Lebensjahr wieder nur Spießer wachsen.

 

Das Geweih wird in der Zeit von Februar bis April abgeworfen und fängt sofort wieder an nachzuwachsen. Der niedrige Testosteronspiegel sorgt für den Abwurf. In ca. 5 Monaten wächst das Geweih unter einer Basthaut wieder nach und wird aus Knochensubstanz gebildet. Auch hier sorgt die Basthaut für die Versorgung mit Nährstoffen und ist auch mit Blutgefäßen durchzogen. Beginnt das Geweih an zu verknöchern, wird versucht die Basthaut abzuscheuern . Man sagt der Hirsch fegt, daher auch die „Fegezeit“. Welche Ende Juli beginnt und bis in den August verläuft. Das neue Geweih ist erst einmal hell, verfärbt sich aber durch das Fegen an Sträuchern und Bäumen.

In der Zeit des Fegens sieht man Hirsche an deren Geweih blutige Bastfetzen herunter hängen.

 

Rothirsche bedienen sich unterschiedlicher Rufe um zu kommunizieren. Das Röhren während der Brunft hatte ich schon weiter oben bemerkt. Hirsche geben auch ein dumpfes, kurzes und trocknes „Bellen“ von sich, wenn diese durch etwas beunruhigt sind, was sie nicht zuordnen können. Dieser Schrecklaut wird in der Regel von Alttieren abgegeben. Die Hirschkuh verständigt sich mit ihrem Kalb über verschieden Lautäußerungen, wie Bettellaute, Behaglichkeitslaute, Angstlaute bei Bedrohung.

Bildergalerie - Rothirsch

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